ANTIGONE

für Menschen ab 15 Jahren


Eine Bearbeitung der Tragödien von Sophokles und Anouilh für ein heutiges Publikum von Erpho Bell

Antigone, eine junge Frau, widersetzt sich dem soeben an die Macht gekommenen König Kreon. Sie hat ihren Bruder beerdigt, obwohl dies bei Todesstrafe verboten war.
Doch ohne Beerdigung kommt der im kriegerischen Kampf gefallene Bruder nicht ins Totenreich, seine Seele wird keine Ruhe finden.
Kreon bietet Antigone an, zu vertuschen, was sie tat.
Antigone jedoch will sich nicht verleugnen.
Die junge Frau kämpft einen erbitterten Kampf mit Kreon, dem König, der gleichzeitig ihr Onkel ist. Bleibt ihm wirklich nichts anderes zu tun, als sie töten zu lassen?

PREMIERE: Freitag, 11. September 2015, HELIOS Theater
Aktuelle Spieltermine

Ensemble

Spiel: Helena Aljona Kühn, Marko Werner, Michael Lurse
Inszenierung: Barbara Kölling
Dramaturgie: Erpho Bell
Komposition: Roman D. Metzner
Assistenz: Leonie Raulf

Künstlerische Kooperation mit der Compagnie ACTA

Das HELIOS Theater und die Compagnie ACTA aus Paris verbindet bereits seit Jahren eine künstlerische Freundschaft. Seit 2013 leitet Laurent Dupont, der schon zwei Mal am HELIOS Theater inszenierte, die Compagnie. Beide Theater arbeiten sowohl für kleine Kinder wie auch für Jugendliche, beide nicht allein FÜR sondern immer wieder auch MIT Kindern und Jugendlichen. 2013 begann eine künstlerische Kooperation in mehreren Phasen. Ausgangspunkt war der Mythos von ANTIGONE. Begonnen hat die JugendTheaterWerkstatt in Hamm, die sich mit „Ich kämpfe. also bin ich“ seit November 2013 über mehrere Monate mit Fragen nach „Widerstand“ anhand der verschiedenen Textfassungen von ANTIGONE auseinandersetzte. Später arbeiteten Laurent Dupont/ACTA und Barbara Kölling/HELIOS mit Jugendlichen in Hamm zum Thema und im Frühjahr 2015 gab es Workshops in Frankreich. Ab Sommer 2015 gehen beide Compagnien in die Proben mit Profis, nehmen den ANTIGONE Mythos zum Ausgangspunkt und entwickeln jeweils unterschiedliche Stücke daraus.

Nach oben

Pressestimmen

„Antigone“ eröffnet Spielzeit am Helios Theater in Hamm

„Hamm - Welche Farbe hat die Macht? Ist sie finster, oder blutrot? Oder ist sie weiß wie eine Projektionsfläche, wie die Bühne im Kulturbahnhof in Hamm? Das Helios Theater eröffnete die Spielzeit mit seinem wahrscheinlich politischsten Stück: „Antigone“ in einer Fassung des freien Theatermachers Erpho Bell. Bell nutzt Elemente von Sophokles und Jean Anouilh, um eine moderne Parabel von der Macht zu formen: märchenhaft in seiner Reduktion und Symbolsprache, aber heutig in seiner Direktheit.

Das Helios Theater hat dieses Stück zusammen mit der Acta-Compagnie aus Paris erarbeitet. Im Probenprozess haben die Profis mit Jugendlichen gearbeitet. Die Direktheit junger Menschen, die Unverblümtheit ihres Politverständnisses findet sich in der Hammer „Antigone“ wieder. Das Schema ist das Gleiche wie in der antiken Tragödie: Die Macht, verkörpert von Kreon, König von Theben (Marko Werner), trifft auf die persönliche Moral, verkörpert von Antigone (Helena Aljona Kühn). Sie will wider Kreons Verbot den im Bruderkampf gefallenen Polyneikes bestatten. Außerdem taucht nun ein weiterer Schauspieler auf: Michael Lurse als politischer Conférencier. Sein Part öffnet das Stück ins Publikum. Er läuft zwischen den Reihen, animiert das Publikum zum Honecker-Applaus für Kreon: „Der Krieg ist vorbei!“ Einigen hält Lurse das Mikrophon hin: „Was hältst du von der Todesstrafe?“ Bequem zuschauen ist nicht im Helios Theater. Regisseurin Barbara Kölling verlangt Engagement. Politik wie Theater  sollen vom Betrachter nicht nur konsumiert werden. Deshalb reden Werners Kreon und Kühns Antigone oft direkt ins Publikum. Sie sprechen keine Dialoge, sondern formulieren ihre Überzeugungen. Roman D. Metzners Musik akzentuiert ihre Schlagworte.

Antigone, von Kühn mit bebender Entrüstung gespielt, lehnt jegliche Macht als willkürlich ab. Kreon reagiert hilflos: Einer müsse doch Verantwortung tragen. Die Fragen an die Zuschauer verleihen dem Stück zusätzlich Wucht. Auch wer nicht antwortet, bezieht Position, auch Hilflosigkeit hat ihren Platz. Leider spricht Kreon, den Marko Werner sehenswert ölig spielt, hauptsächlich üble Phrasen. Das macht seine Position lächerlich. Damit manövriert sich das Stück zumindest teils an seiner Grundfrage vorbei. Wenn persönliche Moralprinzipien höher stehen als staatliche Macht, wie legitimiert sich dann die Moral? Die olympischen Götter gibt es nicht mehr. Wer sich heute noch auf Religion berufen will, begibt sich auf ganz dünnes Eis. Außerdem sollten die aktuellen Religionskonflikte jeden aufgeklärten Menschen dazu veranlassen, sein Heil in der Vernunft zu suchen. Wer als Bürger eines modernen Staates sich in seiner persönlichen Moral auf Prinzipien der Menschenwürde beruft, muss wissen, dass diese Prinzipien erst durch Verfassungen manifestiert wurden. Er beruft sich also wieder auf das Recht. Wer, wie Bell und Kölling, Kreon lächerlich macht, ignoriert eine Grundfunktion des modernen Staates. An dem Punkt kommen antike Tragödie und moderne Parabel nicht zusammen. Ein hochinteressanter, engagiert gespielter Abend, der starke Gefühle und Gedanken hervorrief, ein Merkmal guten Theaters.“

Westfälischer Anzeiger, von Edda Breski

Festivals

"Antigone" wurde 2016 zu "westwind", dem 32. Theatertreffen NRW für junges Publikum, in Gelsenkirchen eingeladen.

Aus der Begründung der Auswahljury:
"Die Antigone-Tragödie über Widerstand und Macht beschäftigt Theaterschaffende seit fast 5000 Jahren. Erpho Bell als Dramaturg und Bearbeiter sowie Barbara Kölling als Regisseurin treten am HELIOS Theater in Hamm den Beweis an, dass dieses antike Ringen zwischen dem jungen Mädchen und dem Machthaber, der zugleich ihr Onkel ist, nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Unterstützt von Live-Musiker Roman D. Metzner schafft das dreiköpfige Ensemble den Brückenschlag zum heutigen jungen Publikum. Es setzt auf die Sprache, scheut die intellektuelle Auseinandersetzung nicht und konfrontiert uns so mit unbequemen Fragen nach unserer eigenen Haltung der Welt gegenüber, unserer Bereitschaft Widerstand zu leisten, unseren Idealen und der Bereitschaft, dafür einzustehen."

Nach oben