Konzept

Theater für Kinder und Jugendliche

Das HELIOS Theater ist ein freies Kinder- und Jugendtheater mit eigener Spielstätte in Hamm. Es wurde 1989 von Künstler*innen verschiedener Sparten in Köln gegründet und folgte 1997 dem Angebot der Stadt Hamm, nach Westfalen zu ziehen. 2004 eröffnete es den Kulturbahnhof Hamm, der seitdem die feste Spielstätte des HELIOS Theaters ist (siehe auch: Die Geschichte des Theaterhauses). Hier kann das Ensemble neue Stücke erarbeiten und Vorstellungen für das Publikum aus Hamm und der Region spielen. Das Repertoire umfasst derzeit zehn Inszenierungen für alle Altersgruppen, angefangen von den Allerkleinsten ab 2 Jahren.

Jährlich werden 1-2 Produktionen neu erarbeitet. Barbara Kölling als Regisseurin und künstlerische Leiterin prägt seit Jahren mit ihren Inszenierungen die Arbeit des Theaters. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteur*innen werden Themen bearbeitet, Erzählungen dramatisiert oder Materialuntersuchungen zu Theaterstücken entwickelt. Zum Ensemble gehören Künstler*innen aus den verschiedensten Bereichen wie Schauspiel, Figurentheater, Musik und bildende Kunst.

Theater mit Kindern und Jugendlichen

Seit der Gründung des HELIOS Theaters spielte das Theater FÜR Kinder und Jugendliche die zentrale Rolle, immer wieder wurde dies auch begleitet von Projekten MIT Kindern und Jugendlichen. Durch die eigene Spielstätte konnte der Strang der Theaterarbeit mit jungen Menschen erheblich vergrößert werden.

Die Theaterpädagog*innen des HELIOS Theaters bieten u.a. Theaterwerkstätten für Jugendliche und seit 2013 auch für Kinder an, in denen sie mit den Teilnehmer*innen ein ausgewähltes Thema theatral bearbeiten bis hin zur Premiere vor Publikum.

hellwach – internationales Theaterfestival für junges Publikum

Über die Etablierung der eigenen Arbeit hinaus ist das HELIOS Theater auch gerne Gastgeber: Bereits achtmal lud das HELIOS Theater Gastinszenierungen aus ganz Europa zum internationalen Theaterfestival „hellwach“ nach Hamm und in die Region Hellweg ein. Seit 2002 ist das Theaterhaus alle zwei Jahre Zentrum und Treffpunkt des Festivals.
„hellwach“ ist das internationale Theaterfestival einer Region. Bis zu neun Städte finden sich zusammen und veranstalten unter künstlerischer und organisatorischer Leitung des HELIOS Theaters an ihren Spielorten Begegnungen zwischen Künstler*innen aus unterschiedlichsten Ländern und dem jungen Publikum. Über mehrere Tage finden morgens, nachmittags und am Abend Theatervorstellungen statt, Vorträge und Diskussionen im Festivalzentrum, dem HELIOS Theater im Kulturbahnhof Hamm, laden darüber hinaus zum intensiven Austausch und Kennenlernen ein.

Internationale Kooperationen

Durch die Kontakte des HELIOS Theaters zu Theatern in anderen Ländern sind in den vergangenen Jahren vielfältige internationale Kooperationen entstanden.

In ihrer Zusammenarbeit 2014 suchten das HELIOS Theater und das polnische Teatr Atofri aus Poznan theatrale Zugänge zum Thema Spuren für ein sehr junges Publikum. Aufbauend auf einem intensiven gemeinsamen Recherche- und Improvisationsprozess entstanden unter der Leitung von Barbara Kölling zwei unterschiedliche und doch verwandte Inszenierungen für alle ab 2 Jahren unter dem Titel SPUREN  bzw. Slady (Traces).

2016 lag der Schwerpunkt des HELIOS Theaters auf der Koproduktion Our House mit dem Ishyo Arts Centre aus Kigali/Ruanda. In drei intensiven Probephasen, abwechselnd in Kigali und Hamm, entwickelte das Ensemble aus 3 ruandischen und 3 deutschen Spieler*innen ein Stück für Menschen ab 12 Jahren über die Erinnerung anhand des Motivs vom Haus. "Our House" spielte Gastspiele in Deutschland, Ruanda, Frankreich. 2017 war es zum Weltkongress der ASSITEJ, "Cradle of Creativity", in Cape Town/Südafrika eingeladen, 2018 zu den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Bei "WESTWIND", dem Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW, wurde es mit dem Förderpreis des Landes NRW ausgezeichnet.

Theater für die Allerkleinsten

Das Theater für die Allerkleinsten bildet einen der künstlerischen Schwerpunkte des HELIOS Theaters. Barbara Kölling, künstlerische Leiterin des HELIOS Theaters, beschreibt ihr Interesse an dieser Theaterform wie folgt:

„Es entsteht ein Theater, das seine eigenen Mittel immer wieder neu definiert, sein Verhältnis zum Publikum genauestens bestimmt, ein kontemplatives, lustvolles Theater nicht nur für kleine Kinder. Ein Theater, das durch seinen oftmals hohen Abstraktionsgrad eine Nähe zur bildenden Kunst aufweist, und gerade deshalb als ein philosophisches Theater zu verstehen ist. Es wendet sich nicht an die kleinen Kinder, um diese zu unterhalten oder ihnen auf direktem Wege etwas beizubringen, sondern es behauptet sich als eine Kunst, die auf die besonderen Fähigkeiten sehr junger Menschen eingeht, und diese Fähigkeiten liegen insbesondere im Bereich der assoziativen Wahrnehmung.“

2005 veranstaltete das HELIOS Theater das internationale Symposium "first steps", bei dem Grundzüge und Arbeitsweisen des „Theaters für die Allerkleinsten“ diskutiert und unterschiedliche Produktionen gezeigt wurden. Ab 2006 war es der deutsche Partner in drei aufeinander aufbauenden EU-Projekten unter dem Titel "small size". 2018 ist ein neues EU-Projekt gestartet, mit 19 Partnern aus 17 europäischen Ländern. "MAPPING" legt den Fokus auf die Verbindung der künstlerischen und wissenschaftlichen Forschung rund um das Theater für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren.

Zum „Theater für die Allerkleinsten“ erschienen außerdem zwei Filme des HELIOS Theaters: eine wissenschaftliche Studie zu der Produktion „Holzklopfen“ mit dem Titel “Wechselspiele im Experimentierfeld Kindertheater“ und „Wollgeflüster“, ein Dokumentarkurzfilm, der Einblicke in den Produktionsprozess von „Am Faden entlang“ gibt.

Aktuelle Fragen des Theaters

Das HELIOS Theater veranstaltet in regelmäßigen Abständen internationale Tagungen, um aktuelle Fragen des Theaters zu diskutieren. Im Rahmen des Symposiums „WECHSELSPIELE“ lud das HELIOS Theater europäische Theaterschaffende ein, sich über ihre Ansätze und Erfahrungen in der Theaterarbeit für und mit Kindern und Jugendlichen auszutauschen. Das Verhältnis von bildender und darstellender Kunst stand während des Symposiums Bild – Raum – Spiel im Fokus. Sowohl bildende und darstellende Künstler*innen als auch Kunstvermittler*innen in Theatern und Museen warfen dabei einen forschenden Blick auf Kooperationen
zwischen Theatern und Museen – vor allem in Bezug auf das junge Publikum.

So sind es neben den kontinuierlich stattfindenden Aufführungen für Groß und Klein nicht zuletzt die vielfältigen, öffentlich geführten Auseinandersetzungen zu den Fragen der Kunst für Kinder und Jugendliche, die das Konzept des HELIOS Theaters bestimmen. Das KinderTheaterHaus entwickelt sich mehr und mehr zu einem überregional und international ausgerichteten Forum für aktuelle Fragen des Theaters für das junge Publikum.

APPLAUS! - Theater und Schule

Seit langem gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem HELIOS Theater und den weiterführenden Schulen in Hamm. Inszenierungsprojekte mit Schulklassen, Fortbildungen für Lehrer*innen und Gesprächsforen gehören zum Konzept des HELIOS Theaters.

Erstmals 2005 und seitdem im Zweijahresrhythmus findet unter der Federführung des HELIOS Theaters das Hammer Schultheatertreffen APPLAUS! (früher: "TuSch") mit umfassendem Gesamtkonzept statt. Es bietet ein Forum für Aufführungen der weiterführenden Schulen, Gespräche zu den Aufführungen, Weiterbildungsworkshops für Lehrer*innen und fungiert als kulturpolitische Plattform.

Nominierungen und Auszeichnungen

Im Mai 2009 erhielt das HELIOS Theater den ASSITEJ-Preis „für seine für die gesamte Kinder- und Jugendtheaterszene vorbildhafte und prägende, innovative und theoretisch fundierte, regional und international aufs Beste vernetzte Theaterarbeit“. In der Laudatio wurde insbesondere die Innovationskraft in mehreren Bereichen hervorgehoben: „…hier werden neue künstlerische Erzählweisen untersucht – hier findet Zukunft statt“. Die gesamte Laudatio finden Sie hier.

Darüber hinaus wurde das HELIOS Theater im Mai 2011 für den George-Tabori-Preis nominiert. Die gesamte Laudatio finden Sie hier.