Der Elefant im dunklen Haus

eine persische Geschichte nach Dschalaleddin Rumi

für Menschen ab 6 Jahren

 

Was ist ein Elefant? In der alten Geschichte von Rumi stellt ein König diese Frage an fünf gelehrte Männer. Keiner kann sie beantworten, weil jeder nur einen Teil des Ganzen erfasst.

In „Der Elefant im dunklen Haus“ erzählen Regisseurin Barbara Kölling und die Spieler*innen Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad von einer Dorfgemeinschaft, die in ihre Einzelteile zerfällt. Ein Haus ist zu laut, das andere zu leise, das dritte zu dreckig, das vierte zu eckig, das fünfte nicht deutsch genug. Eine gemeinsame Basis finden die Bewohner*innen nicht. Es gibt Streit – oder eisige Stille.

Eines Tages kommt eine alte Bewohnerin, die schon lange nicht mehr gesehen wurde, aus ihrem Haus – und fragt die anderen: „Was ist ein Elefant?“ Alle machen sich über die Frage lustig – und beginnen darüber zu streiten, welcher Teil des Elefanten der beste und wichtigste, der essentiellste sei…

Erzählt wird mit Schauspiel und Schattenbildern. Humorvoll und präzise zeichnen Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad die verschiedenen Charaktere. Auf mehreren Leinwänden lassen sie farbenfrohe Formen tanzen, die sich assoziativ zu Bildern vom Dorf, seinen Häusern und Menschen zusammensetzen. Ob auch die Teile des Elefanten am Ende ein Ganzes werden?

 

Premiere: Sonntag, 8. März 2020, 16:00 Uhr

Ensemble

Spiel: Bahar Sadafi, Mamadoo Mehrnejad
Regie: Barbara Kölling
Musik: Jan Leschinski, Mamadoo Mehrnejad
Ausstattung: Michael Lurse, Barbara Kölling
Technik: Jan Leschinski
Assistenz: Annika Böbel, Milea Kerckhoff

Bahar Sadafi

geboren 1986 in Teheran, ist Puppenspielerin, Schauspielerin und Regisseurin. Seit der Erarbeitung von „Wer den Wind erweckt hat“ 2018 ist sie Teil des Ensembles.

 

Mamadoo Mehrnejad

1986 in Teheran geboren, ist Schauspieler, Musiker und Hörspielautor. Seine erste Produktion mit dem HELIOS Theater war „Zwischen den Stühlen“.

Pressestimmen

Schatten erzählen von Ärger im Dorf

Das Helios-Theater Hamm zeigt das Stück „Der Elefant im dunklen Haus“

Im Stück „Der Elefant im dunklen Haus“ setzt sich das Helios-Theater mit Konflikten auseinander, und damit, wie man sie lösen kann. Unter Regie von Barbara Kölling ist daraus ein 40-minütiges Stück für Kinder ab 6 Jahren geworden – teils Märchen, teils Nachdenken über das zwischenmenschliche Zusammenleben. […]

Kölling und die Spieler Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad haben die Geschichte aus einer Erzählung des persischen Mystikers Rumi entwickelt. Im Original streiten sich fünf Weise darüber, was ein Elefant ist. Das Tier befindet sich in einem dunklen Haus. Jeder Weise ertastet nur einen Teil des Körpers: Rüssel, Beine oder Rumpf. Jeder nimmt nur einen Teil des Ganzen wahr. Aus der Parabel ist am Helios-Theater eine Geschichte um das Miteinander in einem Dorf geworden. Sie wird, erstmals in der Form am Helios-Theater, als Schattenspiel umgesetzt, eine Kunst, die im Iran, dem Herkunftsland der Spieler, Tradition hat.

Das Schatten-Dorf ist liebevoll umgesetzt: hier eine Antenne auf dem Dach, dort ein Nachbar, der Blumen vorm Haus hat und eine Gießkanne in der Hand hält. […] Über den Häusern und dem Baum fliegen Vögel.

Es wird offen gezeigt, wie die Bilder entstehen, auch das ist schön gemacht. Sadafi und Mehrnejad schieben die Figuren vor eine Lampe. Es gibt noch eine zweite Ebene: Sie verschwinden selbst hinter Stellwänden und erscheinen als menschliche Schattenpuppen. In einem Fenster taucht Mehrnejad als Opernsänger auf, er jodelt hingebungsvoll, dann schimpft er über die Familie nebenan, die lieber Discosound aus ihrem Haus dröhnen lässt. Man verträgt sich nicht im Dorf, es gibt Ärger. Der gärtnernde Nachbar spricht nur persisch (Mehrnejad mit viel komischem Talent) und verärgert damit die Dame von nebenan, empört gekiekst von Sadafi. […] Chaos, dann wütende Stille im Dorf. Das wird alles anschaulich erzählt; Schattenbilder und Erzähl-Momente wechseln sich ab. Alle Bühnenelemente werden bespielt, auch die Hocker, die später umgedreht und als Projektionsfläche für allein stehende Häuser genutzt werden. Die Fenster werden zugeklappt.

Der Elefant aus dem Titel taucht auf, indem eine alte Dame aus dem Haus tritt und fragt: „Was ist ein Elefant?“ Hier kippt das Stück ins Märchenhafte. Dafür findet das Team ein ganz entzückendes Bild, indem Teile eines Elefantenkörpers im Schattenspiel-Karussell kreisen. Auch die Beleuchtung (Ausstattung: Kölling und Michael Lurse, Technik: Jan Leschinski) ist dezent und schön gemacht mit zartem Lila und fahlen Tönen.

[…] Was nun einen Elefanten ausmacht, Rüssel, Rumpf oder Beine, das ist am Ende egal, Hauptsache, man redet miteinander. Deshalb zieht am Ende der komplette Elefant durch die Bilder, als Symbol fürs Miteinanderreden.

 

Von Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 10.03.2020

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